Mittwoch, 21. Dezember 2011

Die Zukunft bestimmt die Vergangenheit

Wenn ich zurückdenke, warum ich in der Vergangenheit bestimmte Entscheidungen getroffen habe, so ist es eigentlich immer der Blick in die Zukunft, der die Ursache war. Wenn ich heute die nächsten Taten oder Unterlassungen plane, dann immer mit der Vorstellung, welche Konsequenzen aus dieser Entscheidung folgen, also immer unter Abwägen, welche Verhaltensvarianten welche Vor- oder Nachteile haben werden. Das kann bewusst oder unbewusst sein. Getroffene Entscheidungen für weiteres Verhalten bleiben unverändert, wenn meine Bewertung der Zukunftskonstellation unverändert bleibt. Diese Zukunft ist natürlich nur imaginär, also in meiner Vorstellung, denn eine reale Zukunft gibt es nicht, wie schon Aristoteles in seinem Beispiel der Seeschlacht ( s. Wikipedia) festgestellt hat. Mein jetziges Verhalten beruht aber immer auf Entscheidungen in der Vergangenheit, da ja Handeln erst nach der Entscheidung kommt. Es kommt natürlich vor, dass eine Handlung abgebrochen wird, weil plötzlich neue Argumente auftauchen. Auch dann geschieht das aber wieder mit Blick auf die Zukunft. Vor dem Handlungsabbruch ist eine neue Entscheidung gefallen, die dann unmittelbar wieder Vergangenheit ist.

In der Welt der Elementarteilchen, aus denen wir bestehen, ist das nicht anders. Bevor ein Teilchensystem einen neuen Zustand einnimmt ( z.B. ein Elektron aus einem Atom herausgeschlagen wird) muss dieser Zustand auch erlaubt sein. Das Teilchensystem muss vor dem Übergang " wissen" , ob der geplante Übergang im Rahmen seiner Umgebung möglich ist ( ob z.B. der vorgesehene Elektronenzustand erlaubt ist ). Da die Quantenmechanik, die solche Übergänge beschreibt, keine zeitliche Entwicklung enthält, sondern nur Wahrscheinlichkeitsamplituden für den Übergang, bleibt der eigentliche Mechanismus der Zukunftsplanung im Dunkeln. Eine Vorstellung wäre, dass überlichtschnelle imaginäre Teilchenzustände diese Klärung der Zukunftssysteme vornehmen.

Montag, 5. September 2011

Gesetze sollen die Zukunft vorhersagen

Um unsere Umwelt zu begreifen, genügt es nicht nur ein Momentanbild von ihr zu haben. Um z.B. einen Baum zu begreifen muss man auch wissen, wie er reagiert, wenn ich auf ihn zugehe. Ich habe früh gelernt, dass er nicht ausweicht sondern dass ich ihm ausweichen muss. Zum Begreifen gehört also nicht nur die räumliche Beschaffenheit sondern auch die zeitliche. Naturgesetze legen fest, wie sich unsere Umwelt unter gegebenen Bedingungen verhält. Es ist für unser Überleben hilfreich, diese Gesetze im alltäglichen Leben zu kennen. Manche dieser Gesetze erforschen wir im Lauf unseres Lebens selbst ( z.B. dass Feuer heiß ist), andere bedürfen längerer Forschung um sie zu erkennen. Da diese Gesetze sich oft nicht selbst leicht offenbaren, haftet ihnen etwas mystisches an, was in der frühen Vergangenheit dazu führte, dass man den Menschen, die sie kannten, einen engen Kontakt zu den sogenannten Göttern zuschrieb und sie Priester nannte. Die Vorhersage des Sonnenstandes im Lauf des Jahres war z.B. solch eine mystische Kunst. Die Entdeckung von Naturgesetzen hat für viele Menschen etwas sehr befriedigendes ( heureka-Effekt). Es gibt scheinbar eine Drang die zeitliche Entwicklung vorherzusagen.
Das betrifft nicht nur die Entwicklung unserer Umwelt, sondern auch die das zukünftige Verhalten unserer Mitmenschen. Da anscheinend die Naturgesetze nicht ausreichend sind um das Verhalten der Menschen vorherzusagen, wurden staatliche Gesetze geschaffen, die die Vorhersagbarkeit menschlichen Verhaltens verbessern sollen. Sie ermöglichen z.B. einen halbwegs flüssigen Verkehrsablauf und ein halbwegs reibungsarmes Miteinander. Da diese Gesetze mit einer Einschränkung der persönlichen Freiheit verbunden sind, hat die Präzision der Gesetze und ihre Befolgung Grenzen. Das Gebot, den Rasen nicht zu betreten wird z.B. oft durch Trampelpfade dahingehend modifiziert, dass hinterher der Trampelpfad keinen Rasen mehr enthält und das Gebot, nach vorübergehender Mißachtung, so schließlich wieder befolgt wird.
Überhaupt hat die Vorhersagegenauigkeit von Gesetzen aller Art ihre Grenzen. Die Bedingung für Naturgesetze, dass die Anfangsbedingungen hinreichend bekannt sein müssen, kann oft nur im Labor eingehalten werden ( was z.B. trotz Naturgesetzen zu ungenauen Wettervorhersagen führt ) und die Prognosegenauigkeit von Strafgesetzen zeigt sich an den Belegungszahlen unserer Gefängnisse und der Höhe der Dunkelziffern.

Mittwoch, 22. Juni 2011

Die Suche nach Glück

Wir sind beständig auf der Suche nach Glück. Dies ist eine kurzgefasste Formulierung für die Suche nach einer Verbesserung unseres Lebensgefühls.

Glück ( oder allgemeiner Zufriedenheit ) kann definiert werden als das Gefühl guter Funktion. So genommen können auch Pflanzen und Tiere und Zellen in unserem Körper glücklich sein. Glücksgefühle stellen sich bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten ein. Z.B. wenn die eigene Zuneigung von einer sympathischen Person erwidert wird, zeigt dies doch, dass das eigene Erscheinungsbild geschätzt wird. Erfolgreiche Problemlösung befriedigt, da die eigenen Fähigkeiten bestätigt werden. Sportliche Leistung befriedigt nicht nur wenn sie die Überlegenheit gegenüber anderen zeigt, sondern auch, wenn man allein die gelungenen Bewegungsabläufe des eigenen Körpers genießt, oder die Fähigkeit trotz Erschöpfung weiterzumachen, bis die Schmerzsignale intern abgeschaltet werden und das Wegbleiben von Negativsignalen Endomorphinen ihre Wirkung ermöglicht. Die Fähigkeit, Negativsignale abzuschalten ermöglicht z.B. bei schweren Verletzungen schmerzfrei zu bleiben und so die Reaktionsfähigkeit zu erhalten. Glücksgefühle bei Nahtod-Erlebnissen könnten auch so erklärt werden.
Vermutlich tauschen unsere Zellen Signale über ihre gute oder schlechte Funktion aus. Das ermöglicht z.B. das Lernen von Bewegungsabläufen im Schlaf oder durch einfache Vorstellung der Abläufe. Hier spielen die Spiegelneuronen, die für einzelne Teile der Bewegung zuständig sind, den gesamten Ablauf immer wieder durch bis alles so ineinander greift, dass alle beteiligten Zellen nur noch positive Signale senden. ( Die Funktion von Spiegelneuronen hat der Neurologe Joachim Bauer in " Warum ich fühle, was Du fühlst" beschrieben). Gute Funktionen sind dabei solche, die einem in uns gespeicherten Plan genügen ( entweder genetisch oder epigenetisch gespeichert). Bei psychischen Vorgängen werden auch unbewußte Erinnerungen als Referenz herangezogen.
So werden wir durch den Wunsch nach Glücksgefühlen durch unsere Genetik, unsere Epigenetik und unsere Erfahrungen positiv gesteuert. Dies ist das Zuckerbrot. Zusätzlich steuert uns die Peitsche in Form von Angst, Leid und Schmerz. Durch Erkenntnis und Wissen kann man diese Steuerungsvorgänge zum Teil selbst beeinflussen aber eben nur zum Teil.

Mittwoch, 13. April 2011

Der Zweck des Daseins ist seine Wirkung

Für alle Existenzen im Universum gilt, dass sie nur wahrgenommen werden, wenn sie eine Wirkung haben, das soll sagen, wenn das Universum sich mit diesen Existenzen anders entwickelt als ohne sie. Dies gilt sowohl auf der Ebene der Elementarteilchen als auch auf der Ebene der makroskopischen belebten und unbelebten Natur. Die Wirkung von Existenzen kann sowohl stabilisierend als auch destruktiv sein. Ein Regenwurm frisst vermodernde Blätter und lockert den Boden und hilft so dem Baum weiter zu leben und Blätter zu produzieren. Der Regenwurm stabilisiert also seine und die Baumexistenz. Durch Einfluss Dritter ( z.B. Feuer oder Umweltgift ) kann solch ein langlebiges System zerstört werden. Es wird dann abgelöst durch ein anderes System, das auch wieder eine Zeit lang stabil sein kann. Alle Existenzen setzen die Eigenschaften und Fähigkeiten, die sie haben, ein, wie es ihrer Natur entspricht. Ihr Zweck ist die Wirkung in ihrer Umgebung. Die Wirkung kann sehr klein oder sehr groß sein, unabhängig davon, ob die Existenz selbst machtvoll ist oder nicht. Große Mächte können sich gegenseitig blockieren und Änderungen werden dann durch kleine Einflüsse bewirkt ( Das Zünglein an der Waage). Berühmt für solche großen Einflüsse kleiner Ursachen ist z. B. der Schmetterlingseffekt (siehe unter dem Stichwort in Wikipedia). Nach C. Nürnberger ( Faszination Chaos, 1993) gab es Computersimulationen für eine Superelastische Billardkugel, bei denen eine winzige Kraft einmal berücksichtigt wurde und einmal nicht: Die Gravitationswirkung eines Elektrons am Ende unserer Milchstraße ist eine solch winzige Kraft. Die Vernachlässigung dieser Kraft ergab dennoch nach einigen Minuten Rechenzeit abweichende Bahnen für die Billardkugel. Umgekehrt können große Kräfte erhebliche Änderungen herbeiführen, z.B. können Sturmfluten den Küstenverlauf von Inseln ändern, die dann jedoch nach einiger Zeit wieder durch neue Kräfte zunichte gemacht werden, so dass am Ende der Ausgangszustand beinahe wieder hergestellt ist, aber nur beinahe... Das Universum ist ein Netzwerk von verschiedensten Wirkungen verschiedenster Existenzen, die alle durch Ihre Wirkung den Lauf der Welt beeinflussen. Im menschlichen Leben kann ein von mir gesprochenes Wort unglaubliche Konsequenzen haben. Umgekehrt wird mein Verhalten durch meine Erfahrung, meine momentane Disposition ( hormonell und nervlich) und durch Reize meiner Umwelt beeinflusst. Dieses Wechselspiel treibt die Entwicklung der Welt voran. Wenn ich die einzelnen Wirkungen kenne, weiß ich noch nichts über ihren Sinn, denn dafür müsste ich alle Wirkungen im Universum berücksichtigen, die heutigen und die zukünftigen. Über den Sinn des Lebens kann man daher keine Aussage machen. Es muss genügen, dass man das Ziel des Lebens kennt: Das Ziel des Lebens ist der Tod.

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Die alte Auster unter meiner Schädeldecke

Wenn eine Auster einen Fremdkörper, z.B. ein Sandkorn, in Ihre Weichteile bekommt und nicht wieder ausstoßen kann, dann fängt sie an immer neue Schichten von Perlmutt um dieses Korn zu legen, bis es keine Stelle mehr gibt, die die empfindlichen Teile des Austernkörpers stört. So entsteht ein sehr glattes, mehr oder weniger rundes, Gebilde, dass die meisten Menschen sehr schön finden: Eine Perle. Ob andere Austern das auch so empfinden, wenn man ihnen diese Perle einpflanzt, weiß ich nicht, aber vielleicht müssen sie nicht mehr so viele neue Schichten darum legen, bis sie auch nicht mehr von dem Fremdkörper gestört werden.
Wenn sich in meinem Kopf eine ungelöste Frage meldet, die dort entweder von anderen deponiert wurde oder die aus meiner Vergangenheit stammt und nur die ganze Zeit unbearbeitet blieb, dann fange ich an diesen Störkörper zu bearbeiten und mit Schichten und Schichten von Erklärungen zu umgeben, bis keine Widersprüche mehr bleiben zu meinen anderen Weltbildmustern. Es ist nicht nötig, die Gültigkeit dieser Erklärungen zu beweisen. Es genügt, wenn sie nicht im Widerspruch zu anerkannten Naturgesetzen stehen und nicht in Widerspruch zu meinen Erfahrungen. Dann sind die Erklärungen für mich plausibel. Das gibt dann etwas Glücksgefühl, denn Glück ist das Gefühl einer guten Funktion, will sagen, dass ich so funktioniere, wie es mein Bauplan vorsieht und wie es meine Fähigkeiten wollen. Hier heißt das, dass ich Probleme lösen kann.
Diese Perlen unter meiner Schädeldecke sind für mich dann rund. Für andere sind sie vielleicht noch nicht ganz rund, geben ihnen aber möglicherweise eine Grundlage selbst neue Schichten dazuzulegen. Die Neigung, grundsätzliche Fragestellungen aufzugreifen, nimmt nach meiner Beobachtung mit dem Alter zu, besonders unter Naturwissenschaftlern. Die können sich die Beschäftigung mit solchen Fragen eigentlich auch erst erlauben, wenn sie nicht mehr bezahlte Arbeiten abliefern müssen. Dann allerdings haben sie auch oft nicht mehr die Macht, diese Gedanken zu publizieren oder sie sind zu scheu dafür. Schade.

Donnerstag, 18. November 2010

Das Universum kann vielleicht denken

Der Hirnforscher Calvin und der Physiker Zurek haben beide ein Darwinprinzip in ihrem Arbeitsgebiet postuliert: Der eine für die Wechselwirkung unserer Hirnzellen und der andere für die quantenmechanische Wechselwirkung der Teilchen in unserem Universum. Es ist interessant, diese Gleichartigkeit der Wechselwirkung näher zu betrachten und so vielleicht besser zu verstehen wie Intelligenz in lebendigen Organismen existieren kann, die ja nach Vorstellung vieler Naturwissenschaftler nur aus toter Materie bestehen.

Gedanken formen sich als kollektives Verhalten von Neuronengruppen, die geordnet miteinander ihre Impulse senden und empfangen und so z.B. eine Handlung simulieren oder durchführen. Um das Kollektivverhalten zu ermöglichen, muss vorher eine Abstimmung der beteiligten Neuronengruppen stattfinden, die jeweils möglicherweise unterschiedliche Handlungspräferenzen haben. Diese Abstimmung erfolgt mithilfe der Nervenimpulse in so kurzen Zeiten, dass wir diese Abstimmung nicht wahrnehmen können. Erst wenn diese Einigung erfolgt, kann das Kollektiv gebildet werden, das sich dann selbst stabilisiert. Einzelne Denkvorgänge wie die Erkennung von Gegenständen oder Personen sind nach einem Zeitraum von ca. 100 Neuronenimpulsen abgeschlossen ( Wikipedia: 100-Schritt-Regel).
Man kann sich diesen Abstimmungsvorgang so ähnlich vorstellen wie z.B. bei zwei Personen, die sich gegenüberstehen und nicht wissen, ob sie sich die Hand geben sollen oder nicht. Eine der Personen oder beide werden durch kleine Bewegungen gefolgt von kontrollierenden Blicken auf die Mimik und die Körperreaktionen des Gegenüber signalisieren, dass sie die Absicht haben die Hand zu geben. Die andere Person wird durch Körpersignale zu verstehen geben, ob sie ebenfalls bereit ist und den Vorgang dann weitertreiben oder stoppen. Solche Abstimmung erfolgt meist unbewußt, man kann sie sich aber nachträglich bewußt machen.
Bei vielen beteiligten Individuen muss die Abstimmung unter vielen herbeigeführt werden, z.B. bei Vogelschwärmen muss festgelegt werden, in welche Richtung der Schwarm fliegt. Dabei werden der Informationstand, der Rang und die Wünsche aller Individuen berücksichtigt. Solche kollektive Abstimmung wird als Schwarmintelligenz ( Wikipedia ) bezeichnet.
Der Abstimmungsmechanismus unserer Neuronen folgt nach den Vorstellungen von William H. Calvin ("Wie das Gehirn denkt") einem Darwinprinzip. Dabei bilden für jede Nervenzelle die anderen beteiligten Neuronen eine Umwelt, die der betrachteten Nervenzelle jeweils bestimmte Zustände nahelegt, die sie einnehmen darf, um weiter beteiligt zu sein. Entweder nimmt die Nervenzelle solche Zustände an oder es gelingt ihr mit anderen Neuronen eine Umwelt für sich zu schaffen, die ihren vorherigen Präferenzen entspricht oder sie wird im Kollektiv nicht mehr beteiligt, wird also stillgestellt. Zustände von Nervenzellen können sich also vermehren, wenn die Umgebung dafür günstig ist und so schließlich einen Kollektivzustand, einen Gedanken, bilden. Da die Umgebung wieder von Nervenzellen gebildet wird, handelt sich um ein Netzwerk.

Das Universum ist ebenfalls aufgebaut aus vielen Teilchen, die miteinander wechselwirken.
W.H. Zurek (z.B." Quantum Darwinism and Envariance" in Wikipedia: Quantendarwinismus) hat dargelegt, dass die Teilchen beeinflusst durch ihre jeweilige Umgebung bevorzugt Zustände einehmen, die zu dieser Umgebung passen. Entsprechend Darwins Vorgaben überleben also im wesentlichen die Zustände, die fit für die Umgebung sind. Die Umgebung wird aber selbst wieder gebildet durch Teilchen. Und der Umgebung werden nach Zurek Kopien der Zustände der ursprünglich betrachteten Teilchen aufgeprägt. Wenn also die Umgebungszustände nicht schon so übermächtig festgelegt sind, dass der Einfluß der ursprünglich betrachteten Teilchen auf sie vernachlässigbar sind, haben wir es wieder mit einem Netzwerk zu tun. Die beim Neuronennetzwerk vorhandene Eigenschaft, das Denken, könnte sich also auch auf submikroskopischer Ebene wiederfinden. Dort sind die Zeiten, in denen eine Abstimmung zur Bildung kollektiver Zustände stattfindet, allerdings so kurz, dass sie mit heutigen Messgeräten nicht auflösbar sind. Die Zeiten liegen in der Größenordnung der Planck - Zeit ( Wikipedia).
Die Mechanismen submikroskopischer Wechselwirkung scheinen auf makroskopischer Skala einen Widerhall zu finden.

Dienstag, 23. März 2010

Stolz ist Machtanspruch

Menschen und Tiere werden mit Stolz geboren. Das heißt sie beanspruchen Rücksichtnahme und Beachtung in Ihrer Umwelt. So verhält sich die Umwelt mit solchem Lebewesen anders als ohne, soweit die Umwelt zur Rücksichtnahme fähig ist und einen Grund sieht, Rücksicht zu nehmen.
Unter seinesgleichen bewirkt der Stolz z.B. eines Lebewesens, dass ihm ein Platz in der Gesellschaft eingeräumt wird, ein Revieranteil zugestanden ist und Zugriff auf Ressourcen gestattet ist. Das aber nur, solange die anderen glauben, dass das Lebewesen die Macht hat seine Position zu verteidigen oder verteidigen zu lassen. Ein Lebewesen ohne Stolz, d.h. ohne Bereitschaft, für seine Position eine Drohhaltung einzunehmen oder durch andere einnehmen zu lassen, wird aus der Umgebung der anderen vertrieben, bzw. vernichtet. Unter Menschen bewirken kulturelle Gesetze, dass auch hilflose Personen in ihren Rechten geachtet werden, entweder weil andere für sie ihre Position verteidigen oder auch weil in potentiellen Angreifern Hemmungen eingebaut sind. Die Respektierung des Stolzes anderer nennen wir deren Würde. Der Machtanspruch kann also der Anspruch auf eine herausgehobene Position sein oder der Anspruch auf eine schlichte Überlebensposition und natürlich alle Zwischenstadien. Die Vorstellung von Stolz enthält das Bild des erhobenen Hauptes und des aufgerichteten Körpers z.B. bei den Rangkämpfen von Tieren. Diese Ganzkörpererektion passt gut zu dem sexuellen Charakter des Machttriebes, der früher schon dargestellt wurde.
In der unbelebten Natur entspricht dem Stolz die abstoßende Wechselwirkung von Materie, die z.B. verhindert, dass verschiedene Materieteile zur gleichen Zeit den gleichen Platz einnehmen. In einfachen Fällen erlauben dort physikalische Gesetze eine Vorhersage, wie der "Machtkampf" zwischen Materieteilen ausgeht.

Freitag, 5. Februar 2010

Lachen als erleichtertes Kriegsgeschrei, Gähnen als Warnung

Lachen und Gähnen sind bewußte Zwangshandlungen, d.h. sie unterliegen nicht unserem Willen, sind uns aber bewußt, anders als viele unbewußte Handlungen, die wir gar nicht mehr wahrnehmen. Da die Handlungen unwillkürlich stattfinden, liegt der Gedanke nahe ihren Ursprung in unserer tierischen Vergangenheit zu suchen und dort vielleicht die Erklärung für die Handlung zu finden. Affen reagieren auf Überraschungen mit kollektivem Geschrei und zeigen dabei ihre Zähne. Beides sind Drohgebärden. Geschrei soll potentielle Angreifer irritieren und das Gebiss als Warnung vor Verletzungen gezeigt werden. Auch Vögel reagieren auf Überraschungen mit Geschrei, wenn zum Beispiel die Katze sie knapp verfehlt. Die Erleichterung über die glückliche Lösung einer plötzlichen Anspannung mit Kriegsgeschrei zu beantworten, hat wohl in der Entwicklungsgeschichte Erfolg gehabt. Wenn wir einen Witz hören, besteht dieser zunächst aus einer Phase der Anspannung, abgelöst von einer Pointe, die zunächst eine überraschende Zuspitzung der Anspannung bewirkt. Sobald wir die Pointe verstanden haben löst sich die Spannung und wir reagieren mit erleichtertem Gegackere oder zerhacktem Geschrei, weil wir die Aufgabe gelöst haben. Da Glück verstanden werden kann als ein Gefühl guter Funktion, ist es nur natürlich, dass wir froh sind über unsere gute Reaktion. So gehört zum Lachen eben das Glücksgefühl.
Anders ist es beim Gähnen. Das kommt möglicherweise daher, dass unsere Vorfahren, wenn sie müde wurden, Ihre Zähne zeigten, um den potentiellen Rivalen rundum zu zeigen, dass sie gesund und wehrhaft sind, damit diese nicht etwa auf die Idee kommen die Müdigkeit zum Angriff zu nutzen. Bei Tieren ist das Drohgähnen bekannt.
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Mein Lesestoff

Bauer, Joachim
Warum ich fühle, was Du fühlst

Calvin, William H.
Wie das Gehirn denkt, die Evolution der Intelligenz

Görnitz, Thomas
Quanten sind anders

Lorenz, Konrad
Vom Weltbild des Verhaltensforschers

Nürnberger, Christian
Faszination Chaos: Wie zufällig Ordnung entsteht

Penrose, Roger
Das Große, das Kleine und der menschliche Geist

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Zuletzt aktualisiert: 21. Dez, 17:58

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